Archiv der Kategorie: Historisches

12 Beiträge:
– Na Ovali, wie wär’s mit einer kleinen Ausfahrt?
– Contiturm beinahe fertig
– Boxenanlage mit Conti-Turm – nach der Vorlage Nürburgring 1950-65
– Dowidat – Bello in oder out
– 2 Fundstücke – Tankstellenzeugs aufbereitet
– Der Käfer in Nachbars Garten, 1972
– Werbung für den informierten Autofahrer, 50er
– Gibt es das Käfer-gen? Und wenn ja, wird es vererbt?
– Aromate, Aliphate, 60/70er
– Dein Foto ist gefragt, 50/60er
– Treff stets die rechte Wahl, ….
– Fahre ohne Sorge, ….

Na Ovali, wie wär’s mit einer kleinen Ausfahrt?

Abgewandelt, aber irgendwie so schon einmal gehört? Dann gehörst du zur Kinder-Generation der 60er, vielleicht noch Anfang der 70er. Und die legendären Worte im Vorspann der Western-Geschichten heißen richtig: „Na Fury, wie wär’s mit einem kleinen Ausritt? Hast du Lust?“

Immer wenn ich den Ovali aus der Ecke hole, muss ich daran denken – an Kindertage, z.B. auch an Fury – vermutlich ist es der Zeitbezug. Mein Ovalscheiben-Käfer ist aus dem Baujahr 1956 und damit älter als ich selbst.

Damals Zuhause

Fury durften wir Zuhause schauen Ende der 60er. Meine Oma rief uns rein zur Kinderstunde am späten Nachmittag, da fing die Sendezeit des Tages an: „Wollt ihr Furri gucken?“ Wir Kinder spielten immer draußen, die Nietenhosen (Jeans sagten wir noch nicht) waren beim Eintreten in die Stube oft nicht stubentauglich. Schauten wir diese typische US-Serie in der Nachbarschaft, legte die Mutter dort eine Decke zwischen die blauen Hosen und die Wohnzimmer-Sitzmöbel. Im Sommer waren das natürlich kurze, rauhe Lederhosen und die waren erst recht nicht für die Wohnzimmer-Couch zugelassen. Zuweilen saßen wir einfach nur auf dem Teppich. Wir rochen nach aufgewühlter Erde aus dem Garten, nach Wiese und Rothe (ein Bach hinter unserem Haus). Oft hatten wir einen roten Kopf, verschwitzte Haare und staubige Beine vom Fußballspielen auf dem Asche-Sportplatz. Noch beim Vorspann zur Serienfolge, in der der schwarze Hengst galoppierend ins Bild kam, vom Serien-Helden gerufen, merkte ich den pochenden Pulsschlag im ganzen Körper. Ob es den anderen Jungs auch so ging? Kein Ahnung, darüber sprachen wir nicht, wir waren voller Erwartung der neuen Abenteuer aus dem fernen Texas. Und das pochende Herz war nicht die Vorfreude auf das Fernsehen, oft waren wir einfach nur ausgepowert vom Fußball, vom Radfahren, vom Toben und Ausgelassen Sein. Und von jetzt auf gleich saßen wir versammelt für 30 Minuten vor der s/w-Flimmerkiste, zumeist 2, 3, max. 4 Jungen – Nachbarsjungen.

Erinnerung ist eine Auswahl

Warum mich der Ovalscheiben-Käfer vornehmlich an diese Zeit erinnert, kann ich nicht genau sagen. Vielleicht ist es neben der Zeit, aus der er stammt, außerdem noch seine wilde Art, wenn man bei einem Auto davon sprechen kann. Er ist kein akkurater oder schicker Oldtimer, er braucht ebenso eine Unterlage, auf die er abgestellt wird – damit er nichts schmutzig macht. Und wenn er von draußen kommt, riecht er auch nicht nach Lavendel. Er riecht besser, nach warmen Verbrenner, nach aufsteigendem Oelduft, sein Motor knistert jetzt, er kommt zur Ruhe und kühlt ganz langsam ab. Aber der Geruch hängt noch nach Stunden in der Garage, er ist eben ein kleiner Käfer geblieben, unverändert, original, mit viel Patina. Wenn ich heute als erwachsener Mann (meine Kinder sagen: alter Mann bzw. Alter) in dieses Auto steige, denke ich an die Kindheit zurück.

1 oder 2 Studen später, nach erledigter Runde über die Landstraßen, stecke ich die Nase noch einmal in die Karosserie-Rippen unter dem Ovalfenster der abgestellten Limousine – da ist der Geruch aus dem Erinnerungen aufsteigen.

Contiturm beinahe fertig

 

Reifenständer mit dem runden Conti-Logo der 50er – meine Vorlage für die Schilder am Turm

Manchmal ist man einsam mit seinen verrückten Ideen, die so recht keiner nachvollziehen kann: „Was wird das?“ Oder besser: „Warum machst du das?“ Aber es gibt Ausnahmetage, da ruft ein wildfremder Mensch an, ein anderer Verrückter, er kennt dich aus dem Internet, meldet sich und lobt sogleich dein Tun. Kennst du das?

Wenn das passiert, bist du vermutlich auf einem richtigen Weg? Womöglich.

Das Projekt, das nach meinem Empfinden in diese Kategorie gehört, ist der Nachbau des Continental-Turms für meine Oldtimerhalle, den ich jetzt über Monate vorangetrieben habe.

Planen, bauen, fertig werden (fast fertig werden, also wie immer)

Quelle: Rennplakat 1963

Daten:

  • Gesamthöhe 7 m
  • Grundfäche 2,0 x 1,9 m.
  • Galeriehöhe über den Boxen auf 3 m
  • Holzkonstruktion mit Treppenanlage und einer Aussichtspalttform auf 5 m.
  • Maßstab 1:2, das Original war vermutl. um 14 m hoch.
  • Nachempfunden dem historischen Vorbild an der Nürburgring-Start-/Zielgeraden, das von 1950-65 im Ensemble der Boxenanlage rangte, gegenüber war die Haupttribühne an der sog. Betonschleife. Allenfalls ein weißer Strich auf der Fahrbahn trennte in dieser Zeit die Boxenanlage mit dem Contiturm von der Rennstrecke.

Und so sieht bei mir der Turmnachbau jetzt aus, rechts und links stelle ich jeweils 3 Fahrzeuge in die Boxen. Über die Treppe im Turm erreicht man zunächst den Galerieboden und nach weiteren Stufen die Aussichtsplattform. Die Werbebanner rechts und links über den Boxen habe ich im Mai 2018 von der Mille Miglia mitgebracht (persönliche Original-Erinnerungsstücke), vielleicht werden sie später noch einmal gegen authentische Werbung aus den 60ern ersetzt.

Wer hat es gemerkt? Genau – es fehlt noch das Dach. Allerdings für eine Fahne über dem Dach wird es dann zu eng. Bild unten: Blick aus dem Büro auf den Turm.

 

Rückblick – die gesamten Anlagen in den 50/60er in Skizzenübersicht

Quelle: AC_Mayen

Wenn man sich die Zeit der 50er für sein Projekt einmal zurückholt, so erkennt man aus den Literatur-Quellen: es war die französische Besatzungsmacht nach dem Krieg, die den Wiederaufbau der teilweise zerstörten bzw. nicht gebrauchsfähigen Renn- und Prüfstrecke in Rheinland-Pfalz neu einleitete. Die Start-/Zielstrecke und zunächst die Südschleife wurde instandgesetzt. Ebenso wurden die Gebäude wiederhergestellt. Mit den ersten Einnahmen (Eifelpokal, Großer Preis v. Nürburgring bzw. Deutschalnd, ADAC-Wettbewerbe) erfuhr dann auch die Nordschleife eine Renaissance. Die schönste Rennstrecke der Welt (seit 1927) war wieder da!

Die wichtigen Gebäude an der Betonschleife der 50er waren:

Quelle: Hedysch, WDR-Digit zeigt Boxenanlage und im Hintergrund den Bau des gelben, ersten Contiturms von 1950

  • Start- und Zielhaus für die Unterbringung der Rennleitung (ab 1949/50 mit rundherum verglaster Etage, dem Mercedes-Café und beitseitiger Esso-Terrasse).
  • Boxenanlage mit Contiturm für 50 Rennteams, 1952 um weitere 25 größere Boxen in Südrichtung erweitert.
  • Dunlop-Turm (ab 1954) mit der Anzeige des Rennverlaufs auf der Strecke, quasi die Relaisstelle von 5 Streckenabschnitten zur Übermittlung der Positionen an die Tribühnenzuschauer.
  • Hauptribühne mit Platz für ca. 2.500 Besucher und dem Hotel „Tribühne“.
  • Außerdem Mercedes-Presseturm (Nordkehre), Fahrerlager, Auto-Union, Motalin- bzw. Shellsäule und Bosch-Tribühne (ab 1953, Südkehre) usw.

Über alle (Eifel)Berge

Quelle: Rennplakat 1957

1965 war die Zeit des gelben Contiturms nach 15 Jahren schon wieder vorbei. Ein dann weißer Continentalturmneubau nahm seinen Platz noch bis zum Jahre 2000 an der Grand-Prix-Strecke ein, wurde dann aber auch abgerissen. Was bis heute blieb, ist das Fahrerlager, welches jetzt in unserer Zeit die Bezeichnung „Historisches Fahrerlager“ trägt. An alle anderen Lost Places der Betonschleifenära dürfen wir uns erinnern oder beispielsweise mit der Carrerabahn nachbauen – oder größer.  🙂

 


Update Sommer 2019

Dunlopturm

Fortsetzungsgeschichte    Teil   1    2


Boxenanlage mit Conti-Turm – nach der Vorlage Nürburgring 1950-65

Oldtimerkulisse – was steht an?

Wer den Blog verfolgt, weiß von meiner Idee: Die Oldtimer sollen in einer authentischen Kulisse stehen. Da die Aral-Tankstelle fertig ist (hier noch einmal das Video), habe ich jetzt das Projekt Boxenanlage mit Conti-Turm angefangen. Das Kartonmodell ist geklebt und dient als Vorlage.

Bei der weiteren Recherche bin ich auf die hervorragende Seite nordschleifologie.de gestoßen. Die ehemals wichtigen Gebäude an der Start- und Zielschleife (Betonschleife) werden hier gut beschrieben und bebildert. Demnach war der Rennplatz in der Eifel sehr wandlungsfähig in den 50-/60ern. Je nach Wettbewerb wurde die Strecke von ca. 2,3 km (Start und Ziel mit der Gegengeraden) bis zur Gesamtnutzung (Nord- und Südschleife zusammen mit ca. 28 km) gefahren.

(Bildquelle: Thomas Noßke)  Ansicht Nord-, Südschleife verbunden durch die Start-, Zielgerade (Betonschleife)

Gegenüber der Haupttribüne an der Betonschleife konnten die Zuschauer u.a. auch das Treiben in der Boxengasse beobachten.

Boxenanlage am Nürburgring der 50-/60er-Jahre – Ausbau mit 50 Boxen rechts, später kamen in einem linken Anbau weitere 25 größere Boxen hinzu. Der gelbe Turm mußte 1965 schon wieder einem Neubau weichen (ab da weißer Continental-Turm).

Von der Pappe, der Recherche und einer Skizze zu den großen Balken

Geht los! Die Boxenanlage wird gebaut und dabei an die Verhältnisse/Abmessungen der Halle angepasst. Es entsteht eine neue Etage mit 125 qm. Der Turm wird das Treppenhaus und eine Aussichtsplattform (Presseturm) aufnehmen, wie im historischen Vorbild.  🙂

                                   

Weiterer Baufortschritt in Vorschaubildern:

 


Fortsetzungsgeschichte   Teil 1 2


Dowidat – Bello in oder out

Sitze im Wartezimmer und lese eine Schöner-Wohnen, das Magazin gibt es immer noch! Mir stellt sich die Frage: ist vintage und shabby-look eigentlich das Gleiche? Das abgegriffene Exemplar aus dem Lesezirkel ist fast ein Jahr alt und voll damit, die Zeitung selber davon ergriffen.

Ortswechsel ==> Werkstatt

Betrachte den alten Dowidat nach der gelesenen Zeitschrift jetzt mit anderen Augen. Viele würden sich den Dowidat-Trabant-Werkstattwagen (Maße ca. 95x65x37 cm) also als Kleinmöbel in die Wohnung stellen. Verzeihung, ins Loft natürlich, wo auch schon das Motorrad steht und neben der Couch das Holzparkett mit Oelflecken veredelt. Air-Berlin konnte ja auch alle used-Flugzeug-Trolleys auf der Welle diesen Zeitgeschmacks losschlagen, die jetzt beispielsweise Single-Malt-Whiskey-Sammlungen aufbewahren oder auch Brennholz dekorativ neben dem Kamin logieren (genau: in der Schö-Wo vorgestellt).

Und spätestens da, wo dieser Trend auch die Möbelhäuser erreicht hat und Fake- oder Retrodesignsch..ße (was ist das eigentlich für Ware und wer bastelt das?) angeboten wurde, war der Trend m.E. sogleich wieder out – ab da spießig!

Zum Trost, spießig zu sein ist gerade wieder in

Ein Dowidat-Werkzeugwagen ist nach 50 Jahren noch kein Schickimicki

Ein Dowidat-Arbeitsgerät geht auch nicht in Rente! Okay, für den Fototermin habe ich den alten Werkstattwagen etwas insziniert und vorerst dekorativ bestückt. Er ist für mich ja noch neu. Aber, er kommt in der Oldtimerwerkstatt wieder in den Einsatz und findet noch seine Werkzeug-Garnitur!

Im Januar 2018 hatte ich ihn schon auf dem Käfer-Treffen in Herford gekauft. Auf der Käfer-Winter-Party war er dann auch spontan gleich mal als Mini-Bühne für die Life-Musik im Einsatz. Hält er locker aus ….

An der Staubschicht war zu erkennen, er war längere Zeit außer Dienst gestellt. Aber ab jetzt wird es für ihn wieder oelig, Nüsse, Abzieher, Engländer muss er wieder aufbewahren. Nein, nicht nur Teekesselchen-Werkzeug, es klingt aber schön hier. Den Charme bzw. die Firnis habe ich der hammerschlagblauen Box gelassen, nur eine kleine WD40-Oberflächenbehandung zur Auffrischung habe ich vorgenommen, aber eben keine letzte Oelung.

Auf den Continental-Kuli-Vollgummireifen wird er mir jetzt wieder in der Werkstatt bei-Fuß stehen. Tranbant finde ich für den Dowidat deshalb irgendwie unpassend, ich werde ihn Bello nennen.

Hoffentlich werden Hundenamen für Werkstattwagen jetzt nicht zum Trend, also in ….

…. ansonsten Bello aus ….out.

2 Fundstücke – Tankstellenzeugs aufbereitet

Fundstück Nr. 1

Es ist schon fast wieder 10 Jahre her, da habe ich die alte Zapfsäule von einem Bauernhof abgeholt. Es war der Tipp eines Bekannten im Ort: „da müßte noch eine alte Zapfsäule stehen, bestimmt eine Aral ….“.  Tatsächlich, im Stroh einer Scheune in der nahegelegenen Bauernschaft, fast vergessen, war die alte Schwelm-Pumpe außer Dienst abgestellt worden. Die Verblechung war als Hofpumpe weiß und neutral überlackiert worden.

Gelbe Lackabplatzungen an den Ecken?

Das ist doch keine Aral – die Neugier hielt sich bisher in Grenzen. 🙂  Nach so vielen Jahren wollte ich nun doch einmal nachschauen. Mit einer Heißluftpistole und einem Rasierklingenscharber konnte ich die Emaillefläche wieder freilegen.

 

             

Nitro-Verdünnung gab dem letzten weißen Farb- und Grundierungslack den Rest. Eine Shell!  Das Aquarium, so der Spitznahme dieser Zapfsäulengeneration, habe ich dann noch von Strohnestern und vom Schmutz befreit. Neu beleuchtet ist die Dekoration Baujahr 1966 in der Oldtimersammlung wieder zu einem ansehnlichen Blickfang geworden. Kraftstoff wird sie nicht mehr pumpen.

 

Fundstück Nr. 2

Der grafische Stil und das rundlich geschwungene Wappentier im Logo der Westfalen AG läßt auf ein Fundstück aus den 70ern schließen. Ein weißes, springendes Pferd war von je her das Markenzeichen der Westfalen-Tankstellen.

Das alte Auslegerschild mit 130 cm im Quadrad ist aus einer Leuchtreklame geblieben. Rahmen, Beleuchtungskasten und Gegenstück sind weg, futsch.

Nach jahrelanger Aufbewahrung in einer Garage wurde dem Besitzer das Einzelstück jetzt zu sperrig. 3-2-1 meins.

Der Erhaltungszustand ist so gut, dass sich eine Versorgung mit neuen Leuchtmitteln und neuem Rahmen lohnt. Die dekorative Werbebeleuchtung findet Platz in der Oldtimerhalle und bleibt in der Region.

 

Etwas Hintergrund zu Westfalen-Tankstellen …. von Münster aus in den nord-westdeutschen Raum:

Gründung des Betriebszweiges Westfalen Kraft- und Schmierstoffe 1925. Benzol liefert die Zeche Westfalen in Ahlen. 1927 erste Tankstelle in Münster am Albersloher Weg. Bis 1938 sind ca. 100 zumeist Bürgersteig-Tankstellen der Marke entstanden. Ab 1949 wird die Mineraloel-Zwangsbewitschaftung n.d. K. aufgehoben. Großtanklager, Großtankstelle und Tankstellennetz wird aufgebaut.

Großtankstelle in Osnabrück (Bildquelle: Westfalen AG)

1989 erfolgte die Akquisition der Bielefelder Rückwarth GmbH & Co. KG. Das Tankstellennetz des Familienunternehmens Westfalen AG wuchs zu dieser Zeit auf 240 Stationen.

Der Käfer in Nachbars Garten, 1972

Mit zunehmendem Abstand wird die Verklärung in der Erinnerung größer – Zeit es aufzuschreiben!

Ausgabe einer GF von 1972

1972 war das Jahr, in dem die Mercedes-Benz AG die erste S-Klasse (W116) an den Start brachte. BMW hatte beispielsweise das sportliche 3.0 CSL-Leichtbau-Coupé am Markt, ein Traumauto mit 200 PS und 220 km/h Spitze. Auto des Jahres wurde ein Fiat 127 – ausgerechnet.

Das tangierte uns nicht, das war ganz und gar außerhalb unserer Beobachtung. Wir lasen und blätterten noch häufiger in der Guten Fahrt (GF), dem Magazin, in dem VW und zweitrangig Porsche stattfanden. Wir, das waren 1972 ein Nachbarjunge und bester Freund Josef (16) und ich (14). Die Autozeitung lag auch beim Nachbarn, wir waren zu dieser Zeit ein autofreier Haushalt.

Es ergab sich, dass im genannten Jahr im Nachbargarten ein Haus gebaut wurde. Josefs Vater verwandelte einen Teil des Nutzgartens in einen Bauplatz nebst einer langen Zufahrt. Für die Baustelle musste zunächst der Boden befestigt werden. Mit einer Walze? Besser! Der 1962er-Standard-Käfer sollte gelegentlich auf noch weicher Fläche hin- und herrollen. Das sollte indes für einen vorläufig festen Untergrund sorgen, so der Plan und gleichzeitig der Auftrag an den jüngsten Sohn – Josef. Ich war zum Glück Josefs Freund und konnte am Vergnügen teilhaben.

Der graue 1962er-Standard-Käfer im Hof

Eine ca. 70 Meter lange, neue zu planierende Einfahrt und obendrein noch die alte Hof-Zufahrt boten sich nun als Übungsstrecke für uns an. Hof, so wurde früher die übliche Fläche hinter dem Haus genannt. Terrasse? Gab’s nicht. Vorgarten, Haus, Hof, Kartoffeln & große Bohnen, Bleiche – das war die übliche Grundstücksgliederung in unserem Stadtviertel (Paderborn-Stadtheide).

Josefs Vater war ein kinderfreundlicher Nachbar, er ließ uns Kindern alle Freiheit und war gleichzeitig nachsichtig, wenn wir den Bogen einmal überspannten. Josef durfte den Käfer der Familie schon mit 13 oder 14 Jahren das erste Mal hinter dem Haus ausprobieren. 1972 war er demzufolge mit mehrjähriger Erfahrung ausgestattet und bestimmt der beste 16-jährige-Hof-Käfer-Fahrer weit und breit.

Oft war ich nach der Schule schon am frühen Nachmittag beim Nachbarn, nein, eigentlich immer. Von Sonntagen abgesehen, da mussten wir in die Kirche und der Tag nahm einen ganz anderen Verlauf, quälte sich Josef üblicherweise lange an den Schulhausaufgaben, die bei mir schnell bis bis gar …. ich meine, ganz schnell erledigt waren.

Wurde es ein Nachmittag mit Käferfahren, dann hatte sich das Warten auf Josefs Hausaufgabenerledigung ganz besonders gelohnt. Ich durfte schließlich eines Tages auch ans Steuer, den Sitz hatten wir an den Flügelschrauben unter dem Gestell gelöst und ganz nach vorn geschoben, die Lehne stand in der steilster Stellung. Josef war an diesem Tag schon 1 Stunde oder länger gefahren und hatte offensichtlich keine Lust mehr. Lust hatte er mir die Funktion und das sensible Spiel mit der Kupplung zu erklären. Josef erklärte präzise und begann die Sätze stets mit: „Pass mal auf ….“. Josefs Vater wusste von meinen Fahrversuchen vermutlich nichts, wenngleich, er hätte es wohlweislich unterstützt.

Der Jägerzaun, der den Hof von Kartoffeln & große Bohnen trennte und an unserer Fahrstrecke lag, litt gelegentlich durch das Touchieren der Stoßstange. Kein Problem! Jeder Vater hätte sofortiges Fahrverbot erteilt, wir hingegen hatten Glück, nicht einmal kann ich mich an eine ernsthafte Ermahnung aus dieser Zeit erinnern.

Die Betriebsanleitungsmappe (mit eingestecktem Heiligenbild) ist vom Standard-Käfer übrig geblieben, Leigabe von Josef

Meine ersten Versuche waren bescheiden, Anfänger eben, aber ich lernte jetzt das Autofahren! Hingegen zog Josef den grauen Standard schon bis in den 3. Gang, er schaltete zurück mit Zwischengas – EINDRUCKSVOLL. Die Nachmittage im Standardkäfer mit scharzem 3-Speichenlenkrad vergingen schnell. Wenn wir nicht fuhren, kam es vor, dass wir im Käfer saßen und die Betriebsanleitung lasen, die griffbereit im Handschuhfach lag. Wir versicherten uns gegenseitig, dass mit den ausführlichen Anweisungen in diesem Heft, das Volkswagen zum Käfer herausgab, doch wohl jede Einstellarbeit und bestimmt auch Reparatur ausführbar war. Ebenso redeten wir uns den Käfer in der nicht-Chrom-Standard-Ausführung schön (linierte Seitenstreifen, keine Zierleisten, grau lackierte Stoßstangen in Wagenfarbe): „viel besser als ein Export“, in dem wir freilich nicht saßen. Hätten wir im Export gesessen, wäre das Urteil auch klar gewesen. Radwechsel durften wir üben, Josefs Vater schnitt das Profil in den Diagonalreifen selber nach. Er hatte eine Maschine mit Glühdraht, die sich stinkend im Zick-Zack durch das Gummi fraß. Den Volkswagen-Wagenheber hielten wir z.B. für unschlagbar praktisch und mit der Hebeverklemmung geradezu genial konstruiert – das waren unsere Themen! Unerschütterlich von der Qualität aus Wolfsburg überzeugt, war Volkswagen zu dieser Zeit für uns der Maßstab, was uns die GF ja auch bestätigte.

So etwa 1-2 Jahre weiter sollte der Käfer zum Schrottplatz. Unwirtschaftlich die anstehende Reparatur, so das Urteil für PB-KD 43. Diagnose war ein angenommener Kolbenfresser, der beim Trennen von Motor und Karosserie sich aber als verklemmter Anlasser herausstellte und somit das Drehen des Motors verhinderte. Der Abgang war dennoch beschlossene Sache, die Karosserie hatte Durchrostungen, wenngleich der Motorschaden leicht zu beheben gewesen wäre. Ein Autoverwerter holte sich den Motor, als Nachbarjunge durfte ich die letzte Abschleppfahrt mit der noch rollenden Karosserie zur nahegelegenen Alteisenverwertung lenken. Josef bediente die Handbremse.

Werbung für den informierten Autofahrer, 50er

Der Newsletter war noch nicht erfunden und nur wenige Haushalte hatten ein Fernsehgerät. Annoncen, die heute vielleicht eher Anzeigen heißen, waren in den Jahren des enormen Aufschwungs der Automobilindustrie (1950-60) von Werbegraphikern im Stil der Zeit gestaltet. D.h., es wurde nahezu ausschließlich gezeichnet und gern auch gereimt im (Auto)fachblatt. Die Verlage hatten Werbekunden, über einen Medienmix mußte kein Unternehmen so richtig nachdenken, der Verbraucher war schwarz/weiß-informiert.

Eine Gute Fahrt von 1957, die Zeitschrift für den VW-Fahrer und das Handbuch Besser fahren mit dem Olympia, Ausgabe 1951 liegt bei mir noch in der Schublade (beides Klasing- bzw. Delius-Klasing-Verlag). Aus beiden Quellen stammen die gereiften Anzeigen.

Bevor das Altpapier weiter den Geruch alten Papiers annimmt und bei mir ausschließlich ablagert, hier print, print, print …. aus den 50ern ….. jetzt im Netz.

Domain- oder E-Postadressen, ahaaa ….. ein Synonym für E-Mail gibt es, sind in den Verbraucherinformationen ja nicht zu finden, aber sollten wir an einem langweiligen Sonntagnachmittag nicht einmal die zumeist noch kurzen Tel.-Nummern wählen? Jetzt in der dunklen Jahreszeit brauchen wir doch Kurzweil. Mal sehen was passiert.

Vergessen – Sonntags gehen nur Briefe, also Adressen suchen und schriftlich aktuelle Produktinformation anfordern. Noch besser, noch eine Stufe mehr entschleunigt.  🙂

Längst habe ich nicht alle Anzeigen hier eingestellt, aber die Gute Fahrt hatte deutlich mehr Anzeigeninhalt vs. redaktionelle Beiträge. Die Anzeigenkategorien auf Platz:

  1. Garagenangebote in allen Varianten (Zelt, Wellblech, ?), ein Mangel für die erste Generation Individualmobilität,
  2. dann auch schon die Sitzschonbezüge – offensichtlich im Trend der Zeit,
  3.  …. Reifen, Motoröl, Lackpflege usw.

 

Je kleiner das Anzeigenlayout, desto kurioser wird das Autozubehör, nicht verwunderlich. Bei den großen Marken sind nach nunmehr über 60 Jahren noch viele Namen bekannt, eigentlich nicht selbstverständlich – aber vertraut.

 

 

Weil es so schön in diese 50er-Zeit passt (aus gleicher o.g. Quelle):

wenn der Text nicht zu lesen ist – unten rekapituliert:

„Das Einsteigen in den Porsche will eine Kleinigkeit gelernt sein. Wer es so anstellt wie diese nette junge Dame, der kommt nicht weit, und hämische Blicke, die zugleich verstohlen sind und frivol, sind die unausbleibende Folge. Auch eine Dame, die noch mehr auf dezente Haltung bedacht sein sollte als ein Mann, muß beim Einsteigen das rechte oder linke Bein als Vorhut in den Porsche einfließen lassen. Alles andere folgt dann nach.“

Kommentar:

  1. so tickte Deutschland
  2. großartiger Tipp – mit dem linken Bein zuerst
  3.  „… als Vorhut in den Porsche einfließen lassen.“ ohne Worte

Gibt es das Käfer-Gen? Und wenn ja, wird es vererbt?

Das hast du bestimmt schon einmal gehört: „Mein erstes gesprochenes Wort war A.U.T.O.“ Und dann noch so ein Nachsatz: „das ist mir wohl vererbt worden.“ Was? So ein Stumpfsinn! Diese Phrase habe ich sogar in Interviews mit Vorständen großer Automobilkonzerne gehört. Andererseits, die setzen Millionen für die Forschung ein, vielleicht haben die Recht? 🙂

Udo Johannes mit seinem schwarzen Ovali, Mitte der 50er Jahre

Also, wenn dem so wäre, dann hätte ich es auch – vererbt bekommen. Aber von wem? Von Papa, von Mutti, vom Omma …. jetzt wird’s eng. Und die Fragen werden immer suspekter: Hat meine ältere Schwester es vielleicht auch? Ihr erstes Auto war immerhin ein 1969er Käfer, bei ihrem ersten gesprochenen Wort war ich nicht dabei.

Als ich mit 18 den Führerschein bekam, wir sprechen hier von anno 1976, musste noch am Führerschein-Prüfungs-Samstag ein Auto her. Es war gerade Druckerstreik und unsere Tageszeitung wurde an diesem Wochenende nur als Notausgabe verteilt – eine Katastrophe! Im Kleinanzeigenteil waren vielleicht lächerliche 4 oder 5 Annoncen unter der Rubrik Automarkt/zu verkaufen zu finden. Kein VW, was sollte das für ein Markt sein? Nix mobile.de, wir hatten ja nix.

Vielleicht mache ich es kurz, ein Kapitel meiner dunklen Autogeschichte. Ja, ich habe den billigen, durchgerosteten R4 an besagtem Wochenende noch gekauf, der in dem minimalen Notkäseblättchen stand. Und ich glaube, es waren auch nur 3 Anzeigen! Jedenfalls fuhr ich wenige Tage später mit dem gebrauchten Franzosen und einer neu erworbenen Fell-Lenkradbespannung vom Liborimarkt (Volksfest in PB) durch Paderborn. Ja, ich stamme aus Paderborn, der Autostadt von VW-Thiel und Bauer&Bickmeier.

Nachgestellte Szene vom Bild oben mit dem schwarzen 1303 L Käfer-Cabriolet, Jurek Johannes und Olaf Johannes, 2012

Bereits Monate später bretterte eine giftgrüne Kawasaki durch den R4 und hat das rostige Elend an der Tegelwegkreuzung, so heißen Straßen in PB, in zwei Hälften geteilt. Es kam niemand zu gesundheitlichem Schaden. Das war gut! Für den Renault war das das Finale, der Abgang – zum Schrottplatz – zu Schakat. So heißen wiederum Schrotthändler in PB. Gleichwohl floss Bares in meine klamme Kasse, nicht von Schakat, von der Versicherung. Ab sofort war ich wieder Investor.

Ich konnte jetzt auf einen Käfer setzen. Kam das Gen durch? Papa hatte mal einen schwarzen Ovali (dieser Käfer mit dem Ovalfenster oben im Bild). 1976 war das aber auch schon 20 Jahre her. Die Zeit war reif für mich und den VW 1300. Der Aufstieg von 26 PS (R4) auf 40 PS war unter 1.000 DM im Paderborner Gebrauchtwagenmarkt möglich. Natürlich, alles spiele sich in Paderborn ab, man kaufte im nahen Umfeld, das war üblich. Nix mobile.de, wir hatten ja …. ach …. wurde schon gesagt.

Habe noch ein Bild von meinem ersten 1970er-Käfer in einem alten Unfallgutachten gefunden – das war dann viel später, wo sich unsere Wege wieder trennten.

Endlich! Ich fuhr stolz den 1300er (Baujahr 1970), den ich schon wenige Tage später frisiert hatte. Damit meine ich nicht, dass ich die Fell-Lenkradbestannung gekämmt habe, welches vom R4 noch übrig war. Freilich war es auch kein Motor- oder Fahrwerkstuning, dafür reichte mein Autoschraubersachverstand noch nicht aus. Die vordere Stoßstange bekam erst einmal zwei Fern- und zwei Nebellichter verpasst – geringschätzig von Laien (ohne das ominöse Gen) auch als Tannenbaum bezeichnet. Der Schein der Hella-H?-Lampen hat ganz schön gezittert auf dem Chromstoßfänger des Käfers, was möglicherweise auch an der mangelnden Befestigung lag. Da mußte Abhilfe geschaffen werden! Und wie soll ich das jetzt erklären? Gedankensprung. Bei uns in der Waschküche, so etwas gab es wirklich, stand ein Drahtwäschekorb, den ich so lange mit Seitenschneider und Kombizange bearbeitete, bis ein kunstvolles Rallye-Zubehör entstand. Es war ein Sozusagen-Steinschlag-Schutzgitter für die wackelige Lampenreihe, passgerecht für eine Käferfront-Montage. Der Verkauf der Design-Rechte hätte bei Kamei vermutlich sofort eine Serieproduktion ausgelöst, aber soweit sollte es nicht kommen. Jedenfalls waren mit dem Sozusagen-Steinschlag-Sch ….. dem Ding die Zubehör-Lampen erst einmal stabilisiert. Der Käfer hatte fortan ein sportliches Aussehen – den bösen Blick.

Fortan war ein Zeitraum von genau 3 Tagen. Polizeikontrolle. Auf dem Beifahrersitz saß Omma, hinten Mutti. Oh wie peinlich, eine Polizeilehrstunde, doziert von einer weißen Maus, inmitten einer stättischen Hauptverkehrsader. Weiße Mäuse haben eine Waschkorb-Hypersensibilität, das nichts mit Genen zu tun hat, das muss man wissen! Ich musste nicht ins Gefängnis, ich bekam keine Geldstrafe, es kam schlimmer. Ich musste das drahtgeflechtige Ding an Ort und Stelle abschrauben. Als wir weiterfuhren fragte Omma auf dem Beifahrersitz, Mutti hielt indessen im Font das entfernte Rallye-Zubehör fest: „was wollte der, einen Wäschekorb?“ Omma hatte nicht gemerkt, dass sie bei Fahrtbeginn in einen Rallye-Käfer eingestiegen war.

Soviel steht fest: Omma hat das Käfer-Gen nicht weitergegeben.

 


Hier noch etwas Käfer-Historie aus dem jüngeren Familienalbum:

1964-Dünnholmer, Käferkauf aus einer Scheune bei Beckum in 2007

Arvid im 1967er-Dünnholmer, 2008

Jurek im 1962er-Dickholmer mit Faltdach, 2009

Einstellungsarbeiten am Käfer 1500 von 1970 , Arvid, 2012

Noch ein 1500 von 1968 (altes Design, liegenden Scheinwerfern), Ausfahrt in 2012

Arvid am Ovali in 2012, Käfer mit der Ovalscheibe wurden gebaut von 1953 bis 1957 (hier ein 56er)

Jurek bei der Strohernte im 1973er 1303 L Cabriolet, 2013

 

Aromate, Aliphate, 60/70er

Tankw Der Tankstopp war Dienstleistung pur, Autofahrer wurden umworben und waren König Kunde an der Tankstelle. Dienstbeflissen versorgte der Tankwart noch in den 60ern Autos und Mopeds mit Kraftstoff und die Oelstands- oder Luftdruckkontrolle wurde vom gelernten Fachpersonal durchgeführt. Tankwart war ein Beruf. Das Wirtschaftswunder war in voller Fahrt – alle Windschutzscheiben waren klar-gewischt!

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Zumeist waren die Kunden markentreu, es kam nur der Tiger in den Tank, überzeugt war man von Fahre ohne Sorge, fahre mit …. oder man tankte gewohnheitsmäßig da, wo man fürsorglich an Nimm Dir Zeit und nicht das Leben erinnert wurde.

Aral Tankstelle 70er Jahre(Bildquelle: Aral)

Anfang der 70er war dann das Selbst tanken erfunden. Kundenbindung wurde noch immer groß geschrieben, auch wenn der Tankwart jetzt ein Kassierer war, der ab sofort zugleich Getränke und Süßwaren im Angebot hatte. Man bekam bei einem bestimmten Mindestumsatz Oldtimerbilder überreicht, zu den olympischen Spielen 1972 in München waren es dann Sammelmünzen, aber auch Straßenkarten, Schlüsselanhänger, Brettspiele, Eiskratzer uvm. Das Aralinchen oder Herr Tropf wurde den mitfahrenden Kindern als kleine Werbepuppe im Kassenraum in die Hand gedrückt. Das Merchandising, auch wenn man das Wort noch nicht kannte, war bei den Markentankstellen beachtlich – Markentreue wurde belohnt.

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Die Autobesitzer verzierten überdies die Heckscheibe ihres Wagens mit den Aufklebern der Mineraloelfirmen, man warb ganz uneigennützig für Ich fahre bleifrei oder man zeigte seine Offenheit für Wo Fortschritt ist, da ist …., sportliche Aufkleber beförderten einen Taunus, einen Kadett oder Käfer zum Kraftprotz.

46.000 Tankstellen gab es zur Blütezeit einmal in Deutschland, darunter natürlich auch viele freie Tankstellen ohne eine Markenbinding. Viele Benzinpumpen an den Landstraßen sind heute lange verschwunden, kleine Tankorte im urbanen Raum sind mittlerweile zum Schnellimbiss oder Getränkemarkt umfunktioniert. Und vieles von der Tankstellenarchitektur/-kultur ist bereits verblasst. Aber selbst die vergessenen Orte versprühen m.E. noch den Charme der vergangenen Zeit (Bilder aus Steinfurt – kleine Aral Station an der Tecklenburger Straße und ehemalige Tankstelle Raue an der Ochtruper Straße).

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Heute funktionieren nur noch große Stationen, SB-Markt, Waschstraße inklusive, Ertrag wird weniger mit den Kraft- oder Schmierstoffen gemacht, angeschlossene Werkstätten sind selten geworden. Und bevor wir alle zukünftig an der Steckdose tanken ….

…. meine nachgebaute, historische Tankstelle, die die Oldtimersammlung dekoriert, ist in der vergangenen Woche fertig geworden. Hier das Video dazu.

 

Dein Foto ist gefragt, 50/60er

Shell-Station in Horstmar Mitte/Ende der 50er, Fam. Anton Seibert. Der DKW 2-Takter wird mit der Gemisch-Kanne betankt. Die hintere, aufklappbare Pumpe auf der Tankinsel wird heute von Sammlern als sog. „Eiserne Jungfrau“ bezeichnet (Bildquelle: Heinz Herdt, Horstmar).

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Auf vielen Oldtimer-Treffen, Messen, Gewerbeschauen oder Stadtfesten kann man heute Oldtimer sehen. Manche Typen oder Modelle sind einem durchaus noch oder schon wieder vertraut. Schaut man hingegen in alten Fotoalben, so ist die Zeit, in denen diese Autos aktuell waren, eine längst vergangene oder bereits vergessene Epoche. Aus heutigem Augenwinkel betrachtet sind Oldtimer aus der Zeit gerissen. Historische Abbildungen von Tankstellen, Werkstätten, Autoausstellungen usw. lassen uns aber das Drum und Dran und die Begleiterscheinungen privater Motorisierung in jener Zeit besser verstehen.

Wo haben Euere Eltern getankt? Welche Werkstattvertretung hat das Auto repariert? Welche Fotos vom Autohaus oder der Automobilveranstaltung stecken noch in Deinem Album?

Mitmachen! Sckickt mir bitte bildliche Erinnerungen die min. 30 Jahre zurückliegen, gern mit etwas Information zum Bild! Egal auf welchem Weg: Email, WhatsApp, MMS, …. mit Deiner Quellenangabe wird das Foto dann hier gezeigt. Wem schickst Du das –  Vorstellung / Kontakte.

Los gehts ….

BP-Station und NSU-Vertretung Becker in Nienstädt, Hannoversche Str. im Jahr 1964. Z.B. links i.B. ein NSU Sport-Prinz-Coupé (etwas über 20.000 mal gebaut, 1959-67), die offene Spider-Version (insges. 2.375 St.) hatte als erstes Serienfahrzeug einen Wankelmotor (Bildquelle: Autohaus Heinz Becker KG).

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Thiel in meiner Heimatstadt Paderborn an der B1, Detmolder Straße im Jahr 1964, die BV-ARAL Großtankstelle entstand schon Anfang der 50er (Bildquellen: Karl Thiel GmbH & Co. KG).
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Blick in die Werkstatt und traditionelles Porsche-Treffen bei Thiel um 1962, Porsche 356B-Cabriolet.
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Shell-Station in Blender um 1960 u. 1965, Blender-Hauptstraße, Inh. Johann Meyer, Tankstelle und später auch Werkstattvertretung, Olympia-Record von 1956/57 (2 Bilder von: Volker Wolters, Blender).
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Opel-Neuwagen wurden auch verkauft, Ausstellungsräume gab es auf dem kl. Grundstück jedoch nicht.
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Autohaus Vatterott in Eschershausen schleppt ab, Ende der 60er, VW-Transporter-Doppelkabine (Bildquelle: Rudolf Vatterott GmbH).
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Autounion DKW bei Autohaus Wagner in Helmstedt, 1953 kam die Shell-Tankstelle dazu. (Bildquelle: Autohaus Wagner GmbH & Co. KG).
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BV-ARAL-Station Robert Bunke-Emdem nach der Eröffnung 1955 in Eystrup an der B215  (Bildquelle: Heimatverein Eystrup).
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Neuwagen gucken am Brüderweg um 1953, Lloyd 400 (Kleinwagen von 1953-57 der Lloyd Motorenwerke GmbH in Bremen, Borgward-Gruppe) im Schaufenster von Automobile Eberhardt in Dortmund (Bildquelle: Eberhardt Automobile GmbH & Co.KG).

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Autoausstellung 1963 oder 64. Hinter den Porsche 356 ist schon das neue Modell 901 zu sehen, links der 904 Carrera GTS in rot (das Farbbild ist vor vielen Jahren einmal auf meiner back-up-Festplatte gelandet, die Bildquelle kann ich nicht mehr benennen).

Weihnachts-Lotterie der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft im Nov./Dez. 1967 in der Salzstraße, Münster, Hauptgewinn war einer der 7 Volkswagen 1200-Sparkäfer (Bildquelle: WN, R. Krause).

 

Zum Thema ein Video: „Abgetank in Horstmar“ – eine Spurensuche nach alten Tankstellenorten ….