Archiv der Kategorie: Bulli

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– Mutter, Mutter, wie weit darf ich reisen?
– T1 – und alte Feuerwehren
– T1 – Trockeneisstrahlen

Mutter, Mutter, wie weit darf ich reisen?

Ein Kind war die Mutter, die anderen Kinder standen in der Reihe und mit einigem Abstand davor. Nach der Reihe fragten die Kinder: „Mutter, Mutter, wie weit darf ich reisen?“ Die beste Antwort, die von uns in diesem Kinderspiel gegeben wurde, war dann: “ Kon-stan-ti-no-pel am Rhein„. Keiner von uns Kindern wußte zu dieser Zeit (in den 60ern) was oder wo Konstantinopel war. Keiner stellte sich die Frage, ob es diese Stadt überhaupt gab bzw. gegeben hat. Und da diese für uns imaginäre Stadt einfach an den Rhein gelegt wurde, brachte es zwei Silben mehr ein in unserem Fragespiel, das wir draußen auf der Straße vor dem Haus spielten. Von der Mehrsilbigkeit des Bos-po-rus hatten wir noch nicht gehört. Wer die Reiseziele mit den meisten Silben von der Mutter erhielt, rückte rasch mit Schritten vor und durfte in der Spielwiederholung selber die Mutter sein.

Jetzt ist die Zeit 50 Jahre vorgerückt. Heute würde mir vielleicht einfallen: „Mit dem Bul-li bis Is-tan-bul“. Auch jede menge Silben!

Bulli im Zustand vor der Restaurierung, gekauft 2012

Aber heute fragt man nicht die Mutter, man fragt das ökologische Gewissen! Darf ich ein entferntes Reiseziel z.B. mit dem Flugzeug ansteuern? Ja, nein, vielleicht … jedenfalls spende ich zumindest bei einer „Baumpflanzervereinigung“ mehrere Euros, um die Flugreise CO2-neutral zu rechtfertigen. Darf es ein Luxus-Ressort sein? Und wie ökologisch sind diese Herbergen der Besserverdiener und Jet-Reisenden. Reicht es schon, hier angekommen, sein Badetuch nicht jeden Tag auf den Boden zu hinterlassen, um es so vielleicht nur alle 2 Tage waschen zu lassen.

Ist das nachhaltig? Kann sein. Hilft das? Nein.

Reisen ist so schön, aber wie? Maximal frei sein, maximal ungezwungen, maximal individuell. Das reicht mir eigentlich schon aus an Attributen für eine Reiseplanung. Ich mache in diesen Tagen meinen alten Camper wieder flott, den VW-T2-Westfalia-Bulli. Die Restauration begann schon vor 6 Jahren, kam dann ins Stocken – andere Projekte hatten Vorang. Jetzt soll es weiter gehen, ich habe mit dem T2-Auf- und Ausbau wieder begonnen. Mal sehen, ob ich auf diese Weise, unterwegs in einem T2-Camper, meine Reisesehnsucht mit dem Reisegewissen zusammenbringen kann.

Ja, wenn er erst einmal wieder laufen … ehhhhh fahren würde. 😉

T1 – und alte Feuerwehren

Der T1-Feuerwehrbulli wird fertig

Endlich habe ich die Stoßstangen vom Lackierer zurückbekommen und der Bulli konnte jetzt im Oktober fertig montiert werden (siehe auch Beitrag T1 – Trockeneisstrahlen). Um z.B. die Bosch-Signalhörner einmal zu hören, wird er im Videoformat vorgestellt:

Etwas zur Historie

2010 kam dieser VW-Transporter (Bj. 1965, 42 PS, 1500 ccm) über einen österreichischen VW-Sammler zu mir. Georg hatte ihn wiederum von einer Wehr in der 1.000-Einwohnergemeinde Daleiden/Eifel erworben. In diesem Ort wurde er 1994 aus dem Vorbesitz der Verbandsgemeinde Speicher gekauft und zum TSF (Tragkraftspritzenfahrzeug) ausgebaut. Die Magirus-Tragkraftspritze TS8/8 von 1963 als TSF-Ausrüstung ist immer noch dabei. Die Leistung der Tragkraftspritze mit dem 4-Zyl.-VW-Instustriemotor ist je nach Ansaughöhe >1.000 Liter/min.

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Die VW-Transporter waren damals ganz typisch für keine Wehren und oftmals der erste Schritt zu einem eigenen Motorfahrzeug. Diese Fahrzeuge ermöglichten das Aussortieren vieler, zumeist in dieser Zeit noch von Traktoren oder anderen Behelfsfahrzeugen gezogenen Tragkraftspritzenanhängern.

 

Historische Fahrzeuge und Pumpen im Einsatz

Leider war mein Bulli im Sommer noch nicht fertig, ein Ausflug mit Erlebnisgarantie stand an. Die Freunde historisher Feuerwehrfahrzeuge, eingeladen von Rainer Dehne in Enger-Dreyen, der den Tag auch hervorragend organisiert hatte, trafen sich zu einer Übung am Mittellandkanal. Schwager Gerd nahm mich im Magirus mit. Hier einige Bilder dazu:

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Das viell. eindrucksvollste Fahrzeug an diesem Tag – eine MAN-Drehleiter von 1938. Das Fahrzeug wurde nicht nur gezeigt, die Drehleiter wurde ausprobiert. Ausgefahrene 30 Meter Stahlkonstruktion und ca. 2 t Gewicht (nur die Leiter) richteten sich an diesem Tag in den Himmel.

Die anderen Fahrzeuge (sehr schöne Mercedes u. Magirus der 50 – 70er Jahre) pumpten am Kanalufer kräftig Wasser durch die Schläuche und bewiesen ihre andauernde Tauglichkeit. Auch Tragkraftspritzen kamen zum Einsatz.

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T1 – Trockeneisstrahlen

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Gefahren wird der Feuerwehrbulli von 1965 eher selten. 16.000 Original-km hat er jetzt auf der Uhr. Wenn der VW-Motor aber einmal starten soll, so macht er das auch brav. Dazu kippe ich einen Schluck Benzin von oben in den Vergaser – Zündung – und schon läuft er. Die 6-Volt-Batterie und die mechanische Bezinpumpe haben es dann einfacher nach langer Standzeit.

Heute hat die Feuerwehr keinen spontanen Blaulichteinsatz, sondern der Termin ist lange abgesprochen und vorgeplant.

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Der Unterboden des VW-T1 soll konserviert werden. Unter der teilweise bröckeligen Bitumenschicht und dem feuchtigkeitsaufnehmenden Dreck in den Ecken kann es zu Rostschäden kommen. Hier Drahtbürste und Spachtel einzusetzen ist nicht mehr zeitgemäß und noch weniger effektiv.

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Das bereits seit einigen Jahren in der Oldtimerrestaurierung bewährte Trockeneisstrahlen, ein Druckluftstrahlverfahren mit festem Kohlenstoffdioxid, hilft hier eine schonende Reinigung vorzunehmen. Die ehemalige Unterbodenschutzschicht, die als solche das Fahrzeug nicht mehr schützt, sondern das Gegenteil bewirkt, wird mit dem Strahlgut versprödet, platzt ab, und das Trockeneis verdampft bei diesem Vorgang rückstandslos.

Fachbetrieb u.a. auf diesem Gebiet ist die Fa. Ralf Humberg  Humberg_logo  im münsterländischen Nottuln.

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Die Über-Kopf-Arbeit ist anstrengend und nicht ohne Gehörschutz zu erledigen. Oben links im Bild der Vorrat der Eispellets und das Strahlgerät, rechtes Bild Schutzausrüstung und Strahlkanone. Und natürlich der Fachmann, der die Arbeit durchführt!

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Allerdings kann es vorkommen, dass die mittlerweile hart gewordene Ummantelung der alten Kabelbäume leiden kann (Bild o. links), oder z.B. Heizrohrdämmung (Bild o. rechts). Bremsleitungen oder auch die Gelenkgummi überstehen i.d.R. die Prozedur – die Vorteile überwiegen!

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Ist der Unterboden sauber, bin ich wieder dran. Erneut verladen und abholen. Jetzt kommt eine Rostumwandlung zum Einsatz, die schon angegriffenen Stellen müssen behandelt werden. Ich verwende hierzu BRUNOX. Der Vorteil bei diesem Produkt ist: nach der Rostwandlung muss nicht nachbehandel – oder beispielsweise mit Wasser abgewaschen werden. Es bildet sich gleich eine Grundierungsschicht, auf die ggf. aufgebaut werden kann.

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Der Bulli wird nochmals aufgehängt, so kommt man gut an die  Wirkungsstätte für die Chemie.

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Das Ergebnis ist gut. Ggf. jetzt noch Steinschlagschutz in den Radkästen aufbringen? Überlege ich mir noch …. der Rest soll aber so bleiben, um den Unterboden über die Zeit besser kontrollieren zu können, der Bulli wird ohnehin nur bei trockenem Wetter gefahren.

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Einige Reparaturen stehen jetzt noch auf dem Arbeitsplan ….

Update August 2017: zuerst wurden die Felgen neu lackiert und neue Pneus aufgezogen. Auf beiden Achsen habe ich die undichten Radbremszylinder ausgetauscht und neue Bremsflüssigkeit durchgepumpt. Die verrosteten Dämpfer der Hinterachse sind getauscht worden und das Lenkungsspiel konnte durch eine neue Schubstange verringert werden. Eine Probefahrt (noch ohne Stoßstangen) war fällig. Benötigte Ersatzteile kamen von „Dem_Raana_sein_VW-Shop„.

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