Käferwerkstatt – kaufen & entrosten

Soll der Volkswagen von 1968  wieder für viele Jahre Freude machen, muss seine rostanfällige Karosserie restauriert und konserviert werden.

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Aber lohnt sich die aufwendige Prozedur einer Restauration für einen solchen 40PS-Käfer? Aus wirtschaftlicher Betrachtung vermutlich nicht, auch wenn für diese Fahrzeuge aus sogenannten body-off-Restaurationen fünfstellige Euro-Preise aufgerufen werden. Idealismus und Hobby stehen bei dieser Fahrzeugklasse der Butter&Brot-Oldtimer vermutlich immer im Vordergrund.

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Der Kandidat für dieses Vorhaben sieht auf den Bildern erst einmal nicht schlecht aus, aber Kantenrost an Türen, am Stahlkurbeldach und in diversen Ecken wurde bei näherer Betrachtung deutlich. Die Bodenplatte, der Rahmenkopf und auch die Einstiege/Schweller waren nach erster Begutachtung solide.

Trotz Rost und stumpfem Lack kann dieser Volkswagen Typ 11 nach 46 Jahren ohne bisherige Überarbeitung vermeintlich als gepflegtes bzw. gut erhaltenes Exemplar bezeichnet werden. Aus erster Hand, mit nachweislichen 93.000 km Gesamtfahrleistung, einer sehr gut erhaltener Innenausstattung und wenigen Monaten Tüv habe ich eine fahrbereite Basis für das Restaurierungsprojekt; wir haben September 2014.

Zum Vergleich, was hat dieser 1300er Volkswagen im Juni 1968 zu D-Mark-Zeiten gekostet:

  • DM 4.682,-   Volkswagen Limousine 1300 in lotosweiß
  • DM 259,-      Stahlkurbeldach
  • DM 145,-      Sonderausstattung I (gepolstertes Armaturenbrett, elektr. beheizbare Heckscheibe, Warnblinkschaltung, Warnleuchte bei Ausfall eines Bremskreises, zwei Rückfahrscheinwerfer )

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  • DM 32,-        Kunstlederpolsterung
  • DM 5,50       Haubenschloss (Motorraum)
  • DM 131,-      Überführungskosten
  • DM 5,-          Kraftfahrzeugbrief
  • DM 14,50     Nummernschilder
  • DM 527,40   MWSt (10%)
  • DM 12,50     Zulassungsgebühr

Rabattverhandlungen gab es seinerzeit wohl (noch) nicht, somit beläuft sich die Summe auf DM 5.813,90. Hier im Bild links die Original-Bestellung und rechts die Neuwagenrechnung. Ein schönes Detail aus den gesammelten Fahrzeugunterlagen.

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Aber zurück zum Projekt – der Karosseriebauer/Lackierer hat dann im Sommer 2015 die Arbeit begonnen.

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Rostige Anbauteile (hier im Bild z.B. die Türen) habe ich ausgebaut und gleich Zuhause gelassen. Durchgerostete Türunterkanten könnte man reparieren, aber Schweißarbeiten an den Fensterschächten will ich lieber vermeiden.

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Stattdessen hat der Karosseriebauer gebrauchte Ersatzteile für die Anpassung und den Einbau erhalten. Jörg Beckmann, VW-Veteranenteile in Nottuln konnte Ersatzteile in gutem Zustand aus seinem umfangreichen Lager beisteuern (2 Originaltüren und einen Stahlkurbeldachdeckel aus einem baugleichen Modell). Den Rahmen für das Kurbeldach habe ich auch versucht aus einem abgeschnittenen Käferdach zu bekommen, aber vergeblich. Alles was hier angeboten wurde hatte einen vergleichsweise schlechten und schlechteren Zustand als im Käfer vorhanden. Also muss das Blech hier aufwendig gespenglert werden. Das Bild zeigt eine Ecke des Kurbeldachrahmens mit den Durchrostungen.

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Und wenn man entlackt und sandstrahlt kommen erfahrungsgemäß noch mehr Erkenntnisse ans Tageslicht. Hier einige Details: Lampentöpfe mit kleinen Löchern (erwartungsgemäß durchgerostet beim Käfer),

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und unter der Kofferraumdichtung am Windlauf hat es gegammelt. Eine neue Kederaufnahme muss u.a. für die Kofferraumdichtung eingeschweißt werden.

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Als sehr gut sind hingegen die Endspitzen, die Reserveradmulde oder beispielsweise die Schweller/Einstiege erhalten, was auch bei der Erstuntersuchung im noch zusammengebautem Zustand erkennbar war.

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Fortsetzungsgeschichte Teil  1   2


 

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