Gibt es das Käfer-Gen? Und wenn ja, wird es vererbt?

Das hast du bestimmt schon einmal gehört: „Mein erstes gesprochenes Wort war A.U.T.O.“ Und dann noch so ein Nachsatz: „das ist mir wohl vererbt worden.“ Was? So ein Stumpfsinn! Diese Phrase habe ich sogar in Interviews mit Vorständen großer Automobilkonzerne gehört. Andererseits, die setzen Millionen für die Forschung ein, vielleicht haben die Recht? 🙂

Udo Johannes mit seinem schwarzen Ovali, Mitte der 50er Jahre

Also, wenn dem so wäre, dann hätte ich es auch – vererbt bekommen. Aber von wem? Von Papa, von Mutti, vom Omma …. jetzt wird’s eng. Und die Fragen werden immer suspekter: Hat meine ältere Schwester es vielleicht auch? Ihr erstes Auto war immerhin ein 1969er Käfer, bei ihrem ersten gesprochenen Wort war ich nicht dabei.

Als ich mit 18 den Führerschein bekam, wir sprechen hier von anno 1976, musste noch am Führerschein-Prüfungs-Samstag ein Auto her. Es war gerade Druckerstreik und unsere Tageszeitung wurde an diesem Wochenende nur als Notausgabe verteilt – eine Katastrophe! Im Kleinanzeigenteil waren vielleicht lächerliche 4 oder 5 Annoncen unter der Rubrik Automarkt/zu verkaufen zu finden. Kein VW, was sollte das für ein Markt sein? Nix mobile.de, wir hatten ja nix.

Vielleicht mache ich es kurz, ein Kapitel meiner dunklen Autogeschichte. Ja, ich habe den billigen, durchgerosteten R4 an besagtem Wochenende noch gekauf, der in dem minimalen Notkäseblättchen stand. Und ich glaube, es waren auch nur 3 Anzeigen! Jedenfalls fuhr ich wenige Tage später mit dem gebrauchten Franzosen und einer neu erworbenen Fell-Lenkradbespannung vom Liborimarkt (Volksfest in PB) durch Paderborn. Ja, ich stamme aus Paderborn, der Autostadt von VW-Thiel und Bauer&Bickmeier.

Nachgestellte Szene vom Bild oben mit dem schwarzen 1303 L Käfer-Cabriolet, Jurek Johannes und Olaf Johannes, 2012

Bereits Monate später bretterte eine giftgrüne Kawasaki durch den R4 und hat das rostige Elend an der Tegelwegkreuzung, so heißen Straßen in PB, in zwei Hälften geteilt. Es kam niemand zu gesundheitlichem Schaden. Das war gut! Für den Renault war das das Finale, der Abgang – zum Schrottplatz – zu Schakat. So heißen wiederum Schrotthändler in PB. Gleichwohl floss Bares in meine klamme Kasse, nicht von Schakat, von der Versicherung. Ab sofort war ich wieder Investor.

Ich konnte jetzt auf einen Käfer setzen. Kam das Gen durch? Papa hatte mal einen schwarzen Ovali (dieser Käfer mit dem Ovalfenster oben im Bild). 1976 war das aber auch schon 20 Jahre her. Die Zeit war reif für mich und den VW 1300. Der Aufstieg von 26 PS (R4) auf 40 PS war unter 1.000 DM im Paderborner Gebrauchtwagenmarkt möglich. Natürlich, alles spiele sich in Paderborn ab, man kaufte im nahen Umfeld, das war üblich. Nix mobile.de, wir hatten ja …. ach …. wurde schon gesagt.

Habe noch ein Bild von meinem ersten 1970er-Käfer in einem alten Unfallgutachten gefunden – das war dann viel später, wo sich unsere Wege wieder trennten.

Endlich! Ich fuhr stolz den 1300er (Baujahr 1970), den ich schon wenige Tage später frisiert hatte. Damit meine ich nicht, dass ich die Fell-Lenkradbestannung gekämmt habe, welches vom R4 noch übrig war. Freilich war es auch kein Motor- oder Fahrwerkstuning, dafür reichte mein Autoschraubersachverstand noch nicht aus. Die vordere Stoßstange bekam erst einmal zwei Fern- und zwei Nebellichter verpasst – geringschätzig von Laien (ohne das ominöse Gen) auch als Tannenbaum bezeichnet. Der Schein der Hella-H?-Lampen hat ganz schön gezittert auf dem Chromstoßfänger des Käfers, was möglicherweise auch an der mangelnden Befestigung lag. Da mußte Abhilfe geschaffen werden! Und wie soll ich das jetzt erklären? Gedankensprung. Bei uns in der Waschküche, so etwas gab es wirklich, stand ein Drahtwäschekorb, den ich so lange mit Seitenschneider und Kombizange bearbeitete, bis ein kunstvolles Rallye-Zubehör entstand. Es war ein Sozusagen-Steinschlag-Schutzgitter für die wackelige Lampenreihe, passgerecht für eine Käferfront-Montage. Der Verkauf der Design-Rechte hätte bei Kamei vermutlich sofort eine Serieproduktion ausgelöst, aber soweit sollte es nicht kommen. Jedenfalls waren mit dem Sozusagen-Steinschlag-Sch ….. dem Ding die Zubehör-Lampen erst einmal stabilisiert. Der Käfer hatte fortan ein sportliches Aussehen – den bösen Blick.

Fortan war ein Zeitraum von genau 3 Tagen. Polizeikontrolle. Auf dem Beifahrersitz saß Omma, hinten Mutti. Oh wie peinlich, eine Polizeilehrstunde, doziert von einer weißen Maus, inmitten einer stättischen Hauptverkehrsader. Weiße Mäuse haben eine Waschkorb-Hypersensibilität, das nichts mit Genen zu tun hat, das muss man wissen! Ich musste nicht ins Gefängnis, ich bekam keine Geldstrafe, es kam schlimmer. Ich musste das drahtgeflechtige Ding an Ort und Stelle abschrauben. Als wir weiterfuhren fragte Omma auf dem Beifahrersitz, Mutti hielt indessen im Font das entfernte Rallye-Zubehör fest: „was wollte der, einen Wäschekorb?“ Omma hatte nicht gemerkt, dass sie bei Fahrtbeginn in einen Rallye-Käfer eingestiegen war.

Soviel steht fest: Omma hat das Käfer-Gen nicht weitergegeben.

 


Hier noch etwas Käfer-Historie aus dem jüngeren Familienalbum:

1964-Dünnholmer, Käferkauf aus einer Scheune bei Beckum in 2007

Arvid im 1967er-Dünnholmer, 2008

Jurek im 1962er-Dickholmer mit Faltdach, 2009

Einstellungsarbeiten am Käfer 1500 von 1970 , Arvid, 2012

Noch ein 1500 von 1968 (altes Design, liegenden Scheinwerfern), Ausfahrt in 2012

Arvid am Ovali in 2012, Käfer mit der Ovalscheibe wurden gebaut von 1953 bis 1957 (hier ein 56er)

Jurek bei der Strohernte im 1973er 1303 L Cabriolet, 2013

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.